
Unveröffentlichter Entwurf · Hören und Lesen
Deutsche Fassung freigegeben.
AR01-02 Rathausplatz, Rathaus und Roland
Deutsche Audiofassung
Herzlich willkommen auf dem Altstadtrundweg durch Oebisfelde.
Sie stehen an der Westseite unseres Rathauses. Von hier aus entdecken Sie die Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, ihrer Stadtmauer und der alten Burg. Doch zunächst lohnt sich ein genauer Blick auf das Gebäude vor Ihnen.
Das Rathaus erzählt von einer Zeit, in der die Bürger begannen, die Geschicke ihrer Stadt selbst zu bestimmen. Schon im Jahr 1226 wurde Oebisfelde als „Civitas“, also als Stadt, bezeichnet. Für das Jahr 1333 ist ein Bürgermeister überliefert.
Der spätgotische Rathausbau wurde 1506 fertiggestellt. Vermutlich stand an dieser Stelle bereits ein Vorgängerbau. Auch der Keller könnte älter sein als das darüberliegende Gebäude.
Seine heutige Gestalt erhielt das Rathaus durch mehrere Veränderungen. Eine besonders wichtige erfolgte 1892: Das Rathaus und der benachbarte Ratskeller bekamen ein gemeinsames Eingangsportal. Wenn Sie vor dem Haupteingang stehen, liegt der ehemalige Ratskeller im linken Gebäudeteil.
Auch heute wird die Geschichte des Rathauses weitergeschrieben. Es soll grundlegend und denkmalgerecht saniert und als Verwaltungssitz der Stadt Oebisfelde-Weferlingen neu hergerichtet werden. Die Baugenehmigung wurde 2026 erteilt. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant. Fördermittel unterstützen den Umbau.
Im Inneren haben sich Spuren der älteren Baugeschichte erhalten. Dazu gehören historische Mauern, Fenstergewände und eine gotische Säule im ehemaligen Ratszimmer.
Auch der Platz vor dem Rathaus war ein wichtiger Ort des städtischen Lebens. Seit 1523 durfte Oebisfelde jährlich 4 Jahrmärkte abhalten. Stellen Sie sich vor, wie Händler ihre Waren anboten, Menschen zusammenkamen und Neuigkeiten austauschten.
Eine weniger bekannte Geschichte verbirgt sich unter dem Dach des Rathauses. Dort erinnern kleine Holzstifte in den Sparren an die Verarbeitung von Flachs. Zwischen ihnen wurden Leinen gespannt, an denen man die Pflanzen zum Trocknen aufhängte.
Aus den Fasern entstand Leinenstoff. Seine Herstellung war für Oebisfelde über lange Zeit von Bedeutung und ging weit über den eigenen Bedarf hinaus.
Schauen Sie nun hinauf zum Uhrentürmchen. Die dortige Glocke stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert. Geschaffen wurde sie von Hinrik van Kampen. Der Gießer fertigte Glocken für Kirchen und Dome, aber auch kunstvoll verzierte Kanonen.
Die historische Turmuhr wurde 2001 von Mitgliedern des Heimatvereins restauriert. Heute befindet sie sich im Burg- und Heimatmuseum und ist dort funktionstüchtig erhalten.
Wenden wir uns nun dem Roland zu.
Die Figur steht auf einem vorspringenden Stein an der Giebelseite des Rathauses. Solche Rolandfiguren gelten als Sinnbilder städtischer Rechte und bürgerlicher Freiheit.
Der erste hier nachgewiesene Roland wurde 1892 aufgestellt. Eine mittelalterliche Vorgängerfigur ist für Oebisfelde bislang nicht belegt. Unser Roland gehört damit zu den jüngeren Beispielen dieser Tradition.
Oebisfelde ist Mitglied im Netzwerk der Rolandstädte. Bei Treffen und Veranstaltungen vertritt ein eigener Roland die Stadt und präsentiert ihre Geschichte.
Die heutige Sandsteinfigur entstand 1989 zur 975-Jahr-Feier der Stadt. Sie wurde nach dem Erscheinungsbild der älteren Figur neu geschaffen.
So vereint dieser Ort vieles, was Oebisfelde geprägt hat: städtische Selbstverwaltung, Handel, Handwerk und das Bewusstsein für die eigene Geschichte.
Für die nächste Station wenden Sie sich dem schmalen Sträßchen gegenüber dem Rathaus zu. Es verbindet die Lange Straße mit der Achterstraße. Dort entdecken wir ein ungewöhnliches Detail an einem alten Fachwerkhaus: einen Ausguss aus Sandstein.
Town Hall Square, Town Hall and Roland
Welcome to the walking tour of Oebisfelde’s old town.
You are standing on the west side of our town hall. From here, you can explore the old town with its timber-framed houses, town wall and historic castle. But first, take a closer look at the building in front of you.
The town hall tells the story of a time when the citizens began to take control of their town’s affairs. As early as 1226, Oebisfelde was described as a “civitas”, meaning a town. A mayor is recorded for the year 1333.
The late Gothic town hall was completed in 1506. An earlier building probably stood on this site. The cellar may also be older than the building above it.
Several alterations have given the town hall its present appearance. One particularly important change took place in 1892, when the town hall and the neighbouring Ratskeller were given a shared entrance. Facing the main entrance, you will find the former Ratskeller, the town hall tavern, in the left-hand part of the building.
The town hall’s story is still unfolding today. Plans call for a thorough restoration that respects its historic character and prepares it to serve as the administrative headquarters of Oebisfelde-Weferlingen. Planning permission was granted in 2026. Completion is scheduled for 2028. Grant funding is helping to support the work.
Inside, traces of the building’s earlier history have survived. These include historic walls, stone window surrounds and a Gothic column in the former council chamber.
The square outside the town hall was also an important centre of town life. From 1523, Oebisfelde had the right to hold 4 annual fairs. Imagine traders offering their goods, people gathering and news passing from one person to another.
A less familiar story lies beneath the town hall roof. Small wooden pegs in the rafters recall the processing of flax. Lines were stretched between them, and the plants were hung up to dry.
The fibres were used to make linen. For a long time, linen production was important to Oebisfelde and went well beyond meeting local needs.
Now look up at the small clock tower. Its bell dates from the early 16th century. It was made by Hinrik van Kampen. This craftsman cast bells for churches and cathedrals, as well as elaborately decorated cannons.
The historic clock mechanism was restored in 2001 by members of the local heritage association. It is now preserved in working order in the Castle and Local History Museum.
Let us now turn to Roland.
The figure stands on a projecting stone support on the gable end of the town hall. Figures of Roland like this one are regarded as symbols of civic rights and freedom.
The first documented Roland figure here was erected in 1892. No medieval predecessor has so far been documented in Oebisfelde. Our Roland is therefore one of the more recent examples of this tradition.
Oebisfelde belongs to a network of towns with Roland statues. At gatherings and events, the town’s own Roland representative presents Oebisfelde and its history.
The present sandstone figure was created in 1989 to mark the town’s 975th anniversary. Its appearance was based on the earlier figure.
This one place brings together many of the things that have shaped Oebisfelde: local self-government, trade, craftsmanship and an awareness of its own history.
For the next stop, turn towards the narrow lane opposite the town hall. It connects Lange Straße with Achterstraße. There, we will discover an unusual detail on an old timber-framed house: a sandstone drain.